Lieber Herr Gosch

strich

…, am letzten Wochenende war ich in Ihrem Tanzlokal GOSCH im Keese – Die sündigste Fischbude der Welt zu gast.
Wir haben Ihre leckeren Fischbrötchen gegessen und auf den Tischen getanzt. Es wurde auch das eine oder andere Bier getrunken. Frisch gezapft und gut temperiert zischt das so richtig schön auf so ein Fischbrötchen.
Es war ein toller Abend.

© ExQuisine – Fotolia.com

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Dann musste ich. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Ich ging also auf Ihren Abort. Schon vor der Tür empfing mich ein zitronenfrischer Sauberkeitsduft. Eine Mitarbeiterin von Ihnen stand strahlend im Vorraum und begrüßte mich. Sie hatte Putzkleidung an und einen Feudel in ihrer Hand. Auf dem Boden waren noch frische Schlieren. Ich dachte, hier wird rund um die Uhr geputzt. Aus Leidenschaft. Und dann findet diese tolle Mitarbeiterin auch noch Zeit, mich anzustrahlen und zu begrüßen. Toll.
Ich verrichtete meine Notdurft, wusch meine Hände (jedenfalls soweit ich mich erinnern kann) und kehrte zurück in den Vorraum.
Ihre Mitarbeiterin stand noch genau so da wie bei meinem Eintritt und begrüßte gerade einen weiteren Gast.
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Dann bemerkte sie mich, wie ich erleichtert aus dem Herrenbereich austrat. Ihr Blick wurde etwas fordernder und wandte sich zu einem kleinen Tischchen, das neben ihr stand. Ich folgte Ihrem Blick und entdeckte ein kleines Tellerchen mit Münzen darauf. Die kleinste Münze war eine 50-Cent-Münze, es lagen aber auch 1 und 2 Euro-Münzen auf dem Teller. In Summe maximal 5 Euro. Aha, dachte ich, die gute Frau verdient hier nicht genug und möchte mindestens 50 Cent Gehaltszuschuss von mir haben. Sie möchte diesen Gehaltszuschuss aber nicht direkt aus meiner gerade frisch gewaschenen Hand, sondern sie möchte, dass ich ihn auf ihren Teller lege. So muss sie mich nicht anfassen. Deswegen hat sie auch beim Putzen eine Pause eingelegt.
Ich griff in meine Hosentasche, legte 1 Euro auf den Teller und blickte sie aufmunternd an.
Nun wich der fordernde Blick aus Ihrem Gesicht, und das mir schon bekannte Strahlen machte sich wieder breit. Wir verabschiedeten uns von einander und ich ging wieder in Ihr Tanzlokal.

© eyewave – Fotolia.com

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Zum Tanzen. Und zum Biertrinken.
Nach einiger Zeit drückte das Bier wieder auf die Blase.
Ich ging also wieder auf Ihren Abort. Wieder empfing mich der zitronige Duft und was soll ich lange drumherumreden – Ihre Mitarbeiterin machte schon wieder Pause. An Ihrem Tischchen mit dem Teller, den Feudel in der Hand.
Sie empfing mich wieder freudestrahlend. Ich verschwand, kam wieder und mein Blick folgte wieder dem ihrigen zum Teller. Komischerweise war der Münzhaufen nicht größer geworden. Ja war den zwischendurch der Herr Gosch hier und hat seiner Mitarbeiterin ihr Zubrot abgenommen, dachte ich. Oder sind meine 5 Freunde alle geizig und haben der armen Frau nichts gegeben. Und alle anderen Gäste auch? Und wo war dann mein Euro hin?
Ich kam unmittelbar zu dem Schluss, hier muß ich wieder Helfen. Außerdem kann ich diese Frau nicht so traurig sehen.
Ich legte also wieder einen Euro auf den Teller, grüßte und verschwand in den Gastraum.
Der Mitarbeiter, der für die Sauberkeit dieses Raumes zuständig ist, hat sich im Übrigen nicht ein einziges Mal blicken lassen. Den ganzen Abend nicht. Keine Begrüßung, kein Tischchen, kein Feudel. Vielleicht lässt er (oder sie) sich nicht so gerne bei der Arbeit zuschauen, oder er ist faul, oder er bekommt von Ihnen ein besseres Gehalt. Auch in Ihrer offenen Küche habe ich den ganzen Abend nicht einen Feudel gesehen.

© M. Schuppich – Fotolia.com

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Als ich am nächsten morgen aufwachte, ging ich den tollen Abend noch mal im Kopf durch. An der Stelle mit Ihrer Mitarbeiterin dachte ich, ja wird denn beim Gosch auf dem Abort gebettelt? Das steht dem Laden aber überhaupt nicht. Bezahlt der Herr Gosch seine Mitarbeiter so schlecht, dass ich als Gast einspringen muss?
Das kann es ja wohl nicht sein. Da habe ich mich aber verleiten lassen. Die Mitarbeiterin vom Gosch mit 2 Euro gesponsert! War ich da von Sinnen? Da bleibt aber ein fader Beigeschmack bei dem Laden, ja beim ganzen Abend!

Tja, das habe ich gedacht am nächsten Morgen. Und jetzt ist der fade Beigeschmack immer noch da.

Deswegen habe ich folgende Fragen an Sie:
Bei wem sind meine 2 Euro gelandet?
Ist das Tellergeld ein Trinkgeld oder eine zusätzliche Einnahmequelle für Ihr Tanzlokal?
Warum lassen Sie in Ihrem Tanzlokal auf dem Abort betteln?
Warum erzeugen Sie durch Ihr “Abortsetup” bei Ihren Gästen ein schlechtes Gewissen?

Mit freundlichen Grüßen

Markus Ebbers

P.S.: Ich veröffentliche diese eMail auf unserem Firmenblog http://www.mmpg.de in der Rubrik Unternehmenskommunikation.

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strich
3 Kommentare auf “Lieber Herr Gosch
  1. J.U. sagt:

    Gibt´s denn zwischenzeitlich eine Antwort von Gosch?

  2. Burkinator sagt:

    Als einer der dabei gewesen ist, kann es darauf nur eine Antwort geben.
    Wer ein kleine Blase hat, muss löhnen, egal an wen und das nächste Bier sowieso :) )




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