Das tote Pony und der Jäger

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Islandpony – Copyright © 2002 Andreas Tille.

Islandpony – Copyright © 2002 Andreas Tille.

Anfang November gab es zunächst eine kleine Randnotiz in den Medien darüber, dass einem Berliner Jäger vom zuständigen Amt die Nutzung seiner Waffen verboten wurde. Die BILD-Zeitung berichtete dann ausführlicher über den Fall. Gegen den Beschluss der Behörde hatte der Jäger geklagt, weil er meinte, dass ein einzelner Fehlschuss nicht seine waffenrechtliche Zuverlässigkeit in Frage stellen könne. Nun ja, ein Wildschwein mit einem ausgewachsenen Islandpony zu verwechseln ist schon ein starkes Stück und das sah das Gericht auch so.

Ein starkes Stück ist auch, dass in Deutschland immer noch der „Jagdzwang“ herrscht.

Das bedeutet, dass auf nicht befriedeten (eingezäunten) Grundstücken ab einer bestimmten Größe das Wild bejagt werden muss. Sind die Grundstücke kleiner, aber ebenfalls unbefriedet, wird der Eigentümer Zwangsmitglied der örtlichen Jagdgenossenschaft, die dann auf seinem Grundstück jagen darf.

Der Grundstückseigentümer hatte bis vor kurzem keine Möglichkeit, eine solche Zwangsbejagung auf seinem Grundstück zu verhindern. Erst eine Klage einiger Grundstückseigentümer vor dem Europäischen Menschengerichtshof hat eine marginale Verbesserung gebracht. Seit dem entsprechenden Urteil im Juni 2012 kann ein Eigentümer die gegen seinen Willen erfolgende Bejagung auf seinem Grundstück unterbinden, wenn er geltend macht, dass dies mit seinem Gewissen nicht vereinbar ist. Dazu muss er vor der betreffenden örtlichen Behörde vorbringen, dass er eine Bejagung auf seinem eigenen Grund durch andere Mitglieder der örtlichen Jagdgenossenschaft aus ethischen Gründen nicht mehr zulassen will. In der überwiegenden Anzahl der bisherigen Fälle musste der Eigentümer dieses Verbot dann noch durch ein gerichtliches Eilverfahren durchsetzen, in dem er seine Gewissensnöte vortrug (erinnert etwas an die unselige Gewissensprüfung, die Kriegsdienstverweigerer seinerzeit über sich ergehen lassen mussten).

Eine sehenswerte Dokumentation zum Jagdzwang (und anderen jagdlichen Abartigkeiten) hat der NDR im Oktober ausgestrahlt: „Waidmannsheil – Jägern auf der Spur“. Auf Youtube kann man sie noch einmal sehen:

Neben dem Jagdzwang geht es darin auch um sogenannte Schliefanlagen.

Das sind künstliche Bauten aus Beton oder anderen Materialien, die den Gängen eines Fuchsbaus nachempfunden sind. Dort wird sogenannten Bauhunden antrainiert, wie sie lebende Füchse, die in diesen Schliefanlagen gehalten werden, jagen und aus dem Bau treiben sollen. Die Betreiber dieser Schliefanlagen, es gibt davon 11 alleine in Niedersachsen, verteidigen dieses Training mit lebenden Wildtieren damit, dass ja der Fuchs nicht gebissen würde, da es stets ein Gitter zwischen ihm und dem ihn jagenden Hund gäbe – geht’s noch?

Und abschließend noch zwei Zahlen zur Jagd in Deutschland: Es gibt etwa 350.000 Hobby-Jäger in Deutschland und jeden Tag werden über 13.000 Wildtiere abgeschossen.

Dies ist ein Gastbeitrag. Die Beiträge unserer Gäste sind uns heilig und werden niemals zensiert. Die Meinungen und Äußerungen müssen nicht immer mit denen der MMP|Group GmbH übereinstimmen.

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Ein Kommentar auf “Das tote Pony und der Jäger
  1. Profilbild von J. U. J. U. sagt:

    Nachtrag:
    Die Hamburger Morgenpost berichtet am 25.01.2014 über einen ähnlichen “Abschuss”. Im schleswig-holsteinischen Brunstorf hat ein 77-jähriger Jäger ebenfalls ein Pony mit einem Wildschwein verwechselt und erfolgreich niedergestreckt.




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